29. August 2009

Im Kiez

Samstag ist der Tag, an dem das Zuhause aufgeräumt wird. Waschen, putzen , aufräumen etc. Und einkaufen. Ich war heute nicht im Supermarkt um die Ecke, sondern bin Susannas Empfehlung gefolgt und auf den Wochenmarkt gegangen. Und ich bin begeistert. Der Weg zum Markt war bereits ein Erlebnis. Rechts und Links auf der Akazienstraße reihen sich Cafes, Restaurant und kleine Läden aneinander. Es gab viel zu schauen. Leider konnte ich wieder nicht widerstehen und habe mir ein Buch gekauft (nicht schimpfen, Andreas.) mit dem interessanten Titel "653 km nach Berlin" von Silvia Szymanski. Das Buch spielt wohl in Aachen und Umgebung. Da ich ja Referendariat in Aachen mache und im Moment in Berlin bin, verbindet es genau die zwei Orte, die auch mich beeinflussen.
Und es gab mehrere Läden mit Kunst und Zeichenartikel. Ich habe gefühlte Stunden (in Wirklichkeit wahrscheinlich gerade mal 15 Minuten) vor dem Regal gestanden, faziniert von der Auswahl an Zeichenblöcken und Zeichenbüchern, eingerahmt von Farbtuben, Leinwänden etc.

Auf dem Markt war es auch nicht besser. Es gab einfach alles. Natürlich habe ich Käse gekauft. Hoffentlich ist noch welcher da, wenn Du, Susanna, wiederkommst. ;-) Obststände wollten ihr Angebot loswerden. Es gab auch orientalische Teppiche. An einem Stand gab es nur Torten. Die Kuchen der Bäckerstände waren oft wagenradgroß. Daneben lockten selbstgenähte Plastiktaschen mit lustigen Motiven, wie Haien, Che und Blumen, an einem Stand gar riesige Tüchern zum Aufhängen mit Motiven wie Fröschen, Sonnenblumen und Küchen. Blumenstände, Trockenfrüchte, orientalische Leckereien... und mannigfaltiges Angebot.
Auf dem Rückweg hörte ich auf einmal ein lautes Hupkonzert. Und als ich die unzähligen Motorradfahrer vorüberfahren sah, fiel es mir wieder ein, dass ich gelesen hatte, dass die Bike Union heute demonstriert. An ein Überqueren der Straße war nicht zu denken. Ich nahm auf einer Bank platz und beobachtete den Korso. Rechts und links war ich von einer Oma eingerahmt... ;-)

So, genug für heute. Gleich muss ich los zu meiner Verabredung: gemeinsam wollen wir die lange der Nacht der Museen genießen..... Photos folgen deswegen später. Sorry.

Politik hautnah


Am Mittwoch nahm ich an einer Sicherheitssitzung teil. Anwesend waren natürlich neben der Polizei des Bundestages, zu deren Abteilung ich gehöre, Abgeordnete aller Fraktionen des Bundestages. Thema war, ob die Sicherheitsmaßnahmen im Bundestag verschärft werden sollten. Anlaß dafür gaben Aktionen, wie das Werfen von Badelatschen auf Gäste einer Ausstellungseröffnung in einem der Abgeordnetenhäuser im Rahmen einer demonstrativen Aktion. Es wurde auch ein Transparent entrollt sowie Flugblätter geworfen. Die Demonstration war nicht angemeldet. Genau das ist ja eines der Aufgabengebiete meiner Abteilung, nämlich zu prüfen, ob sich Demonstrationen nicht überschneiden oder ob sie über den friedlichen Rahmen hinausgehen. Das besondere in Deutschland ist, dass die Politik hautnah sein soll. Der Reichstag und die Abgeordnetenhäuser sind offen für Besuchergruppen, welche eben hautnah sehen und erleben wollen, wie Politik in Deutschland gemacht wird. Die Abgeordneten haben Kontingente für Besuchergruppen aus ihrem Wahlkreis und stellen sich regelmäßig deren Fragen. Die Plenarsitzungen können auf den Zuschauertribünen mitverfolgt werden. Um nur einige Beispiele zu nennen. Bei einer Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen wäre diese Offenheit bedroht.
Das Ergebnis zu diesem Thema werde ich wohl nicht mehr miterleben, denn meine Zeit hier ist begrenzt. Außerdem wird das in der neuen Legislaturperiode entschieden werden...

Mittags waren wir - einige Referendare - im Käfer-Restaurant im Reichstag essen. Sehr interessant, denn am Nebentisch saßen Renate Künast und Fritz Kuhn von Bündnis 90/Die Grünen. Olaf Scholz überlegte kurz, ob er etwas wollte, hat aber wohl aus Zeitnot doch nichts genommen.
Guido Westerwelle läuft uns öfters draußen in der Wilhelmstraße über den Weg. Ja, man sieht Politiker hier. Auch in der Sommerpause. Und auch außerhalb der Gebäude des Bundestages. :-)

Nachmittags bin ich noch für ein Stündchen im Reichstag geblieben, und habe auf der Zuschauertribüne einigen Reden in der außerordentlichen Plenarsitzung gelauscht. Eigentlich sind die Plätze begrenzt, und deshalb muss man sich anmelden. Aber ich hatte Glück und fand einen freien Platz. Die Akkustik war gut. Rechts und links neben dem Rednerpult waren Leuchttafeln aufgestellt, auf denen der Redner stand, sowie die folgenden zwei Redner und wieviel Minuten sie reden dürfen. Die kürzeste Redezeit war 6, die längste 11 Minuten. Nur einmal mahnt der Bundestagspräsident, Herr Dr. Norbert Lammert, dass die Zeit gleich abgelaufen sei.
Gregor Gysi (Die Linke) sprach sehr leidenschaftlich (natürlich möchte ich den anderen Redner eine Leidenschaft für ihre Arbeit damit nicht absprechen): Er redete mit dem ganzen Körper, indem er sich stets vor und zurück beugte, mit den Armen wedelte und direkt Personen ansprach. Auch klatschten seine Fraktionskollegen frenetisch nach circa jedem dritten Satz. Das war sicher nicht effektiv hinsichtlich der begrenzten Redezeit. ;-) Es sprach auch Jörg van Essen (FDP), dem ich wenige Stunden zuvor in der Sicherheitssitzung die Hand geschüttelt hatte. Das ist Politiknähe. Nach kurzem Googlen mußte ich leider feststellen, dass er das Abhören von Telefonen und Wohnungen für unverzichtbare Maßnahmen zur Bekämpfung organisierter Kriminalität hält. Autsch. Das Thema habe ich jetzt bereits mehrfach in meiner Ausbildung bearbeitet und ist nicht unproblematisch. Wie kann ein Grundrechtseingriff vermieden werden? Wie soll eine Transparenz und Kontrolle dieser Überwachung tatsächlich aussehen? Und vor allem, wer kontrolliert die Überwacher?

25. August 2009

Wählen ist ... Geduldssache (Kommunalwahl Köln 2009)

In Köln finden am Sonntag die Kommunalwahlen statt. Da ich in Berlin bin, habe ich Briefwahl beantragt. Gerade sehe ich die mit zugeschickten Unterlagen durch. Auf einem beigefarbenen Zettel gebe ich eine Stimme für den Bürgermeister meiner Wahl ab. Auf einem grünen Zettel wähle ich die Kandidaten für den Rat der Stadt Köln, die aus meinem Wohnbezirk (Wahlbezirk 17, Sülz II) gesendet werden. Die Kandidaten sind interessant; es stehen Name, Geburtsjahr, Beruf und Wohnadresse auf dem Wahlzettel. Sehr viele persönlich Angaben. Interessant ist, dass einige Kandidaten sehr jung sind, also keine 30 Jahre alt. Interessant sind auch die Berufe, wie Lehramtsanwärter, Student, Schuldnerberater, Designerin und … Verwaltungsangestellter. Eigentlich gefällt es mir, dass die Kandidaten aus so unterschiedlichen Bereichen kommen. Der ehemalige Bürgermeister Fritz Schramma steht auch auf diesem Wahlzettel, neben zwei anderen Kandidaten der CDU. Er will also einen Sitz im Rat, steht aber nicht mehr als Bürgermeister zur Wahl. Ein ganzer Ausstieg aus der Poitik ist nicht geplant. Stelle ich mir auch sehr schwierig vor, von heute auf morgen nicht mehr in diesem Bereich aktiv zu sein.

Interessant sind auch die Parteien, von denen ich noch nichts oder nur rudimentär etwas gehört habe. Umstritten ist die Partei Pro Köln. Sie ist massiv gegen eine Islamisierung und den Bau einer Großmoschee in Ehrenfeld. Sie ist aber auch dafür, mehr Parkplätze in der Kölner Innenstadt zu schaffen; die erste Stunde Parken soll frei sein. Dagegen will die Partei Deine Freunde, die sich erst im Mai 2009 gegründet hat, eine autofreie Stadt. Schmunzeln kann man nur über Beschwerden, dass das Bußgeld zu hoch ist, und die Polizei weniger die Rad- und Fußgänger kontrollieren soll. Aber gut klingen die Forderungen nach abgegrenzten Fahrwegen und einem stressfreierem und familienfreundlicherem Verkehr in der Stadt.

Jeder soll wählen, wer ihn anspricht. Das ist Demokratie. Auch wenn mir die Meinung des anderen nicht gefallen mag, so hat er ein Recht auf seine Meinung und deren Ausübung. Gut ist auf jeden Fall, dass die Parteiseiten im Internet übersichtlich sind und man als Wähler das Programm nachlesen und sich die Kandidaten anschauen kann. Jetzt bin ich gespannt, wieviele Kölner diese Möglichkeit wahrnehmen und (!) wie hoch die Wahlbeteiligung am Sonntag sein wird.

Mit dem dritten Zettel in rosa wählt man übrigens die Vertretung des Stadtbezirks. Erschreckend, dass die NPD auf dem letzten Platz mit einem Kandidaten antritt. Die Freunde kann man hier übrigens nicht wählen, dafür Parteien wie die Ökologisch-Demokratische Partei oder die Ökologische Linke. Und wieder – ärgerlicherweise – passen die gefalteten Wahlzettel (in der Breite und der Höhe) nicht in den beigelegten blauen Briefumschlag. Der ist viel zu klein. Naja, was beschwere ich mich. Immerhin wird nicht mit einem anfälligen Wahlautomaten gewählt. Dieser kleine blaue Umschlag wird mit meiner eidesstattlichen Versicherung in einen rosa Briefumschlag gesteckt. Leider ist auch zu klein. Und jetzt ganz schön dick durch meine Mehrfachfaltungen ;-). Dummerweise klebt die Kante nicht. Jetzt gehe ich mal in den Büros nebenan fragen, ob irgendjemand Tesa hat…

Untersuchungsausschuss und FFF


Letzte Woche tagte der 2. Untersuchungsausschuss und befragt unter anderem als Zeugen die Herren Asmussen und Steinbrück zu ihrem Anteil hinsichtlich der staatlichen Finanzspritze für die Bank HypoRealEstate kurz bevor sie endgültig insolvent ging. Es war sehr beeindruckend zu sehen, wie diese Untersuchung von statten ging. Zuerst verlasen die Zeugen ein Statement. Während Herr Asmussen langsam und bedächtig vorlas, suggerierte Herr Steinbrück eine freie Rede durch lebhafteres Reden und großzügiges Überblättern seiner vorgeschriebenen Rede. Sicher hat sich jemand Mühe gegeben, dieses Statement zu formulieren. Aber diese ca. 2 Stunden kann man als Zuschauer bzw. Zuhörer nicht konstant am Inhalt bleiben. Zu trocken und langweilig sind Inhalt und Vortrag. Richtig interessant wurde die Zeugenbefragung erst, als nach dem sehr höflichen Vorsitzenden des Ausschusses die Parteien Fragen stellten. Der Vertreter der FDP attackierte den Minister richtiggehend. Dieser blieb ruhig, trank Wasser ... und teilweise wandten sich beide an den Vorsitzenden als Schlichter. "Herr Vorsitzender, der Minister beantwortet meine Frage nicht." "Herr Vorsitzender, er läßt mich nicht ausreden." "Aber ich habe doch eine Antwort gegeben." Leider konnte ich nur stundenweise zuhören. Das Ergebnis der Zeugenaussagen? Laut der Presse auf der Homepage des Bundestages (http://www.bundestag.de/bundestag/aktuell/index.html) wurde seitens des Finanzministeriums korrekt gehandelt.

Am Donnerstag Abend hatte ich überraschend frei, so bin ich zum FantasyFilmFest am Potsdamer Platz gegangen. Das Festival zieht seit 23 Jahren im Sommer durch die Großstädte Deutschlands (u.a. Berlin, Köln, Frankfurt, Hamburg, München) und gastiert dort für ca. eine Woche. Gezeigt werden Horror-, Fantasy-, Science Fiction-Filme im Original. Obwohl es dieses Festival bereits seit Jahren gibt, ist es immer noch ein Geheimtip. Ich habe ca. 9 Monate vor dem Kinostart in Deutschland den Film "Scream" (mordendes Gespenst mit weißer Maske und schwarzem Umhang, 2 Fortsetzungen, heute Horrorklassiker) gesehen.
An diesem Tag entschied ich mich für einen Film mit dem Titel "Moon". Vorab sei erwähnt, dass dieser Film keinen Verleih in Deutschland hat, er also weder in die Kinos kommt noch als DVD erscheinen wird. Sehr bedauerlich. Die Story? "Nahezu drei eintönige Jahre hat Ingenieur Sam (Sam Rockwell) völlig isoliert, als einziger Mensch auf einer Mondstation, verbracht. Sein Job: der Abbau von Helium 3, aus dem die Erde ihre Energie gewinnt. Sams einziger Kontakt, seitdem die direkte Funkverbindung zum Heimatplaneten abbrach, ist der Stationsroboter Gerty (gesprochen von Kevin Spacey). Noch zwei Wochen – dann läuft Sams Vertrag aus und er darf endlich die ersehnte Rückreise zur Erde und zu seiner Familie antreten. Doch dann hat er bei einer Fahrt auf dem Mondgelände einen Unfall, ein zweiter Mensch taucht plötzlich aus dem Nichts auf … einen Film in der klassischen Tradition von OUTLAND, SILENT RUNNING und ALIEN ... einen verstörenden Sciencefiction-Thriller, in dem es nicht nur um vordergründige Effekte geht. ... Herausgekommen ist ein optisch beeindruckendes und ungemein klaustrophobisch beklemmendes Weltraumdrama vom Feinsten, das sich sogar die NASA zu einem Spezial-Screening einfliegen ließ." (Zitat von Homepage: http://www.fantasyfilmfest.com/fantasy/pages/filmeA-Z.html).

Traktoren und Lübbenau im Morgendunst



Am Wochenende war ich zu Hause im Brandenburgischen. Samstags fand das erste Zöllmersdorfer Traktorentreffen statt. Zur Überraschung des Veranstalters kamen ingesamt 60 Traktoren. Manche hatten auf ihrem Lkw gleich 3 Trakoren mitgebracht. In einer Parade fuhren sie gg 10:00 Uhr einmal durch das Dorf und zurück (das Dorf ist eben sehr klein ;-). Mit stolzgeschwellter Brust saßen die Fahrer auf ihren Traktoren, die sich in Größe, Baujahr, Funktion, Farbe usw. unterschieden. Auf manchen saßen die Männer mit ihren Enkeln, auf anderen 3 Generationen einer Familie.
Der neueste Traktor war von 2007 und auch der Größte. Der Durchmesser eines Rades muss ca. 2 m gewesen sein, denn als ich naneben stand, reichte ich mit dem Kopf nicht bis an das obere Ende. Leider habe ich nicht aufgepaßt, von wann der älteste Traktor war, aber zahlreiche waren von 1932, 1936 etc. Anschließend wurde sie alle auf einer Wiese aufgestellt, sodass sie alle besichtigt, inspiziert und gefachsimpelt werden konnte. Ab und zu fuhr jemand Probe. Natürlich war diese Veranstaltung männerlastig ;-)
Für Verpflegung im brandenburgischen Sinne war auch gesorgt; es gab Fettstullen mit Schnittlauch und sauren Gurken, Gegrilltes, Bier und Blechkuchen. Mmmhhhhh. Das Wetter spielte auch mit, es war sonnig, aber windig (sodass ich schon wieder einen leichten Sonnenbrand hatte, oups).


Die Nacht verbrachte ich in Cottbus. Dabei habe ich von Cottbus nichts gesehen, denn es war ein reiner Frauenabend mit Doreen. Ihr kleiner Sohn schlief im Nebenzimmer friedlich (nach der ganzen Aufregung und einigen Traktorenfahrten ;-).
Sonntag waren wir in Lübbenau. Die Stadt wird wirklich immer hübscher. Die Häuser sind größtenteils restauriert. Die Spreewaldkähne schaukelten noch leer, da es zu früh für Besucher war. Der ganze Spreewald war friedlich: Vögelgezwitscher, grüne Wiesen, ins Wasser hängende Weiden, bogenförmige Brücken verbinden die Inseln, einzelne Kähne staken vorbei ... auch der Park um das Lübbenauer Schloss grünte und lud zu einem Spaziergang ein. Leider waren wir zum Picknick verabredet, sonst wären wir spontan paddeln gegangen oder hätten uns in einen der Kähne gesetzt. Für einen ruhigen Tag ist der Spreewald ideal und absolut empfehlenswert.
Zu Hause bei meiner Mutter gab es dann Picknick. Später wurden noch Pflaumen, Pfirsiche und Birnen gepflückt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal auf einen Baum geklettert bin. Zu Hause ist man eben immer Kind ;-) Und das gerne.

Jetzt habe ich kleines schlechtes Gewissen, dass ich in keines meiner mitgebrachten Lehrbücher geschaut habe... naja.

14. August 2009

unterwegs 2


Reisen ist schön, aber auch anstrengend. Letztes Wochenende habe ich über acht Stunden von Berlin nach Köln gebraucht. Wir sind gg 19:00 Uhr in Berlin losgefahren. Zuviele Baustellen auf den Autobahnen. Leider fuhr das Auto auch nicht sehr schnell. Die Jungs haben mir während der Fahrt auf dem Notebook ihre Urlaubsphotos gezeigt. Leider hatten sie keinerlei Orientierungssinn und haben mich in Köln weit von zu Hause abgesetzt. Seufz. Freitag nacht in Köln-Deutz ist absolut nix los. Immerhin war ich nicht ganz allein. Die orangene Putzkolonne wirbelte um mich herum. Und gegen 03:30 Uhr war ich endlich zu Hause.

Zurück ging es am nächsten Tag mit dem Zug. Sechs Stunden. Wobei ich 45 Minuten in Hannover verbrachte. Um genau zu sein, frontal vor dem Ernst-August-Monument (siehe Photo). Das steht 20 m vor dem Bahnhof. Und mehr kann ich zu Hannover leider auch nicht sagen.

An diesem Wochenende bin ich zuerst mit dem Zug gefahren. Unglaublich, dass ein 1.Klasse-Ticket im Angebot dem Preis eines regulären 2.Klasse-Tickets entsprechen kann. Der Vorteil, es ist relativ leer im Abteil. Kann aber auch an der späten Stunde liegen, denn wer fährt schon am Donnerstag Abend zwischen 19:00 bis 23:00 Uhr Zug? Der Schaffner ist sehr freundlich. Obwohl ich mir ein Päckchen Studentenfutter genommen habe, ist er vor mir stehen geblieben und erst gegangen, nachdem ich mir ein zweites genommen habe. Sehe ich so fertig aus? Hoffentlich nicht. ;-) Auch habe ich gelernt, dass die Steckdosen im Zug Kindersicherungen haben. Die Dose hat sich auf diese Art auch vor mir geschützt. Bis jetzt. Ha.

Am Sonntag riskiere ich wieder eine Mitfahrt im Auto. Es ist tatsächlich eine Alternative zu Zug und Flug. Kostengünstig. Und bis jetzt hatte ich Glück mit den Mitfahrern. Wir werden keine Freunde fürs Leben, aber vertreiben uns die Fahrtzeit. .

So, ich bin kurz vor Köln. Schluss für heute. Ab jetzt wird nach den Domspitzen Ausschau gehalten. Gute Nacht!

Unterwegs


Schon wieder bin ich unterwegs. Kleiner Tip: Wenn Ihr in Berlin in den Zug steigt, dann schaut erst mal aus dem Fenster, bevor das Buch hervorgezogen wird. So kann man einen Blick auf die Siegessäule, die Gedächtniskirche, das Theater des Westens und in zahlreiche Hinterhöfe mit intessanten Graffities (richtige Bilder) erhaschen.
Den Besuch in der DB Lounge der ersten Klasse habe ich nicht wirklich als lohnenswert erachtet, denn es war voll, sodass ein Erholungseffekt in der Lounge ausblieb. Alle stürmten zu den kostenlosen Getränken (als wenn sie verdursten würden) und griffen nach den kostenlosen ausliegenden Zeitungen (ich auch :-). Außerdem gab es kleine Pralinen und Waffeleis. Nicht mein Fall, waren aber auch sehr begehrt. Witzig fand ich den älteren Herren neben mir, der hinter vorgehaltener Hand zu Hause auf den AB sprach, wann er ankommen würde. Und sonstiges Belangloses. Es war auch leider sehr laut aufgrund der Masse an Menschen. Irritiert haben mich die Zurufe meiner Sitznachbarin an mehrere, die gerade hereinkamen. Sie kannten sich wohl von früheren Fahrten. Wird doch noch kommuniziert in Deutschlands Zügen? Ich habe ja eher den Eindruck, dass die Reisenden lieber in Ruhe gelassen werden wollen. Oder gar laut telefonieren, anstatt mit dem Sitznachbarn ein harmloses Pläuschchen zu führen.
Andererseits, ich bin auch nicht immer für ein Gespräch bereit und möchte einfach nur lesen oder Musik hören oder vor mich hindämmern....im Gegenzug ist es spannend, zu erfahren, wohin mein Gegenüber aus welchem Grund fährt.
Ansonsten habe ich heute wieder einen neuen Gang zwischen den Gebäuden auf dem Gelände des Bundestages entdeckt. An jedem Tag gehe ich in der Mittagspause einen neuen Weg. Der Reichstag ist mit den Abgeordnetengebäuden unterirdisch verbunden. Die Abgeordnetenhäuser (Paul-Löbe-Haus, Elisabeth-Lüders-Haus, …........) sind wiederum zusätzlich durch Brücken miteinandern verbunden. Man kann natürlich auch auf dem natürlichen Wege von einem Haus in das andere gehen, indem man die Ein- und Ausgänge benutzt und ggf. die Straße überquert. Ich habe die Arten der Fortbewegung in unterirdisch, irdisch und überirdisch benannt ;-)
Auf dem Weg zum Hauptbahnhof fiel mir auf, dass man sehr gut an der Spree entlang laufen kann. Mir kamen einige Läufer entgegegen, aber auch Fußgänger. Diese Strecke muss ich demnächst erkunden.
Der neue Hauptbahnhof ist immer wieder beeindruckend. Groß. Gläsern. Mehrere Etagen übereinander, aber keineswegs konform. Architektonisch faszinierend. Unglaublich viele Geschäfte verteilen sich auf den Etagen. (Allerdings sollte man nicht wie ich, ein Bestimmtes suchen. Dann ist man verloren, denn es gibt keinen Weganzeiger ;-)
Ansonsten genieße ich die Musik (dieser ICE hat noch an den Sitzen Einsteckbuchsen für Kopfhörer. Man kann CDs – heute unter anderem eine Jazz und Mozart sowie Händel – und lokale Radiosender hören) und werde mich dem Betrachten der vorbeiziehenden Landschaften widmen, solange es noch hell ist. Für mein Gewissen (und die Dunkelheit) habe ich natürlich zwei Lehrbücher dabei. Seufz.

PS: Bin heute auf dem Weg vom Regierungsviertel zum Bahnhof über einen Abschnitt der Mauer gelaufen. Relativ unscheinbar erinnert ein Streifen aus Backsteinpflaster am Boden an die Mauer.(siehe Photo)

12. August 2009

vorschreiben

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Ich sitze vor dem Notebook. In der ruhigen Berliner Wohnung. Diese Ruhe ist atemberaubend … und einfach wunderbar. Irgendwo knackt es. Obwohl niemand außer mir da ist. Ein Fenster knarzt. Stimmen dringen vom Hof von draußen herein. Manchmal höre ich Schritte. Sie kommen von dem Mieter über mir. Das Haus ist hellhörig. Aber so ist das in der Großstadt. ;-) Was die anderen im Haus wohl von mir hören?

Der Arbeitstag war auch gut, denn ich habe einen fehlerfreien Antrag geschrieben. Yippieh.

Da ich morgen direkt nach der Arbeit wieder auf Reisen gehe (Heimaturlaub ;-), komme ich wahrscheinlich nicht zum Schreiben. Also schreibe ich voraus: Am Donnerstag – 13. August – ist Linkshändertag. Herzlichen Glückwunsch an Andreas und Holger. Auch an Chris und Jens. Stefan, wir zwei gehören auch irgendwie dazu, oder?
Obwohl ich es eigentlich seltsam finde, das Linkhändertum so herauszustellen. Wollen die Linkshänder nicht normal behandelt werden? Also gleichberechtigt neben den Rechtshändern? Keine Besonderheiten beim Einkauf und Alltagsgegenständen, wie Füllern, Messer, Scheren, Tastaturen? Naja. Die Zeitungen erinnern sich gerade an Linkshänder und widmet ihnen zumindest einen kleinen Artikel. In manchen Bundesländern werden sie in den Schulen besonders gefördert, in anderen ignoriert und zum Rechtsschreiben animiert. Warum kann man die Kinder nicht mit der Hand schreiben lassen, die sie instinktiv nehmen wollen? Warum sind Gerätschaften für Linkshänder nur exquisit und für teures Geld zu erwerben?

Am selben Tag ist auch der Jahrestag des Mauerbaus: 13. August 1961. Das hat uns alle beeinflußt. Jeder kennt in seiner Familie die Auswirkungen der Mauer, welche quer durch Deutschland gebaut war und es in zwei Länder teilte. Die Mauer, die seit 20 Jahren nicht mehr existiert und in einer friedlichen Revolution eingerissen wurde. Gegenüber vom Reichstag stehen Kreuze. Sie erinnern exemplarisch an die Opfer, welche auf der Flucht aus dem eingemauerten Land umgekommen sind. Sie sind Mahnmale. Es gibt auch Flüchtlinge, die es geschafft haben. Nicht wahr, Helle? Sehr beeindruckend. Seine Heimat zu verlassen ohne zu wissen, ob man je wiederkehren darf und wird.

Am 14. August 1949 wurde der Bundestag zum ersten Mal gewählt. Es ist das Jahr der Jubiläen.

7. August 2009

Mit fällt keine Überschrift ein


Heute hatte ich endlich Zeit und habe ich es genossen, nach der Arbeit in den Reichstag zu gehen und von der Dachterrasse einen Blick auf die Stadt zu werfen. Es waren unglaublich viele Touristen dort. Auch auf dem Rasen vor dem Reichstag saßen zahlreiche Menschen. Sie sprachen u.a. russisch, italienisch und englisch; nur manchmal hörte ich auch deutsch.
(Ein Photo von der Dorotheenstraße, vom Reichstag kommend, habe ich oben eingefügt. Weitere Berlin-Photos werden folgen.)


Was habe ich gelernt in den letzten Tagen?
1. Polizisten sind freundliche Menschen
2. In den Fällen, welche ich stets in den Prüfungen unter Zeitdruck lösen muss, klebt man am Wortlaut. Die Praxis ist total anders. Es wird nicht herumgedeutet, sondern im Zweifel nachgefragt. Eben das geht in Prüfungen nicht, seufz, muss ich mir aber für ein gutes zweites Examen antrainieren.
3. Das Einarbeiten dauert seine Zeit. ( Ich wäre gerne schneller ... besser ;-)
4. Ich schaue intensiver auf Ansammlungen: Gegenüber vom Reichtstrag stehen Kreuze, die an die Opfer der Mauer erinnern. Und vor dem Brandenburger Tor fand heute Abend eine kleine Versammlung statt.

Und was sind meine Erwartungen für die kommenden drei Monate?
Dass ich viel lernen und erleben werde. Ich fürchte allerdings, dass ich aufgrund der vielen Arbeit mehr lernen und weniger erleben werde ... morgen steht z.B. meine erste Klausur für an. (siehe dazu ergänzende Bemerkung oben unter 2. ;-)

Das wars für heute. Ich hoffe, meine lieben Leser, Euch geht es gut. Bitte seid nachsichtig, wenn ich nicht sofort auf Eure E-mails reagiere... ich befürchte, dass der PC abends auch mal ausbleibt. Oder anderes vorgeht.

6. August 2009

Zweiter erster Tag


Jetzt arbeite ich bereits drei Tage im Bundestag. Im Referat: Polizei, Sicherungsaufgaben. Ja, für das Gebiet des Bundestages (befriedetes Gebiet im Juristen-Jargon) gibt es eine eigene Polizei.

Am ersten Tag war ich nur mit Formalitäten beschäftigt: z.B. einen Ausweis fertigen lassen. Jetzt sehe ich pseudo-cool aus, weil ich mit einer Plastikkarte um den Hals hängend herumlaufe. Den Ausweis zeige ich kurz vor und dann komme ich in alle Regierungsgebäude. Das ist wirklich nicht schlecht.
Die Kollegen sind freundlich und hilfsbereit. Ungewohnt ist, dass ich ein eigenes Büro habe. Mit meinem Namen an der Tür. Das klingt wichtig, dabei habe ich noch gar nichts Gescheites produziert. Obwohl ... ich habe bereits zwei Vorlagen an den Präsidenten geschrieben. Was das ist? Wenn jemand auf dem Gebiet des Deutschen Bundestages eine Versammlung oder einen Aufzug veranstalten will, braucht er die Genehmigung des Bundestagspräsidenten. Diese Genehmigungsanfrage des einfachen Bürgers wird in Form einer Vorlage formuliert, damit sie effizienter bearbeitet werden kann. Es sind strenge Formalia zu beachten. Und alle Angaben müssen akribisch geprüft werden, z.B. dass keine Versammlungen zur selben Zeit am selben Ort stattfinden. Schließlich sollen kritische Situationen vermieden und jeder Demonstrant gewürdigt werden. Jetzt beim Schreiben fällt mir auf, dass der zweitwichtigste Mann im Staat von mir verfaßte Schreiben vorgelegt bekommt. Und am Seitenrand steht mein Name als Verfasser. Uhhhh. Jetzt habe ich mich selbst eingeschüchtert. Hoffentlich baue ich keine Sch....
Und dann sitze ich noch an einem strafrechtlichen Gutachten. Richtig gut finde ich, dass ich die Kommentare online einsehen kann und nicht in die Bibliothek gehen muss. Nicht dass hier Mißverständnisse entstehen: Ich mag Bibliotheken, denn ich mag Bücher. Aber die Parlamentsbibliothek ist einige Häuser weiter. Auch hier muss ich aufklären: Ich bin gern zu Fuß unterwegs, aber es geht hier viel Zeit dabei drauf. In Berlin scheint alles recht nah, aber ... ist es eben nicht. Die "Spaziergänge" hebe ich mir für meine Freizeit auf. ;-)
In ein paar Wochen werde ich in der Ausweisstelle hospitieren. Jeder, absolut jeder, der in ein Regierungsgebäude möchte, braucht einen Ausweis und muss dort in die Kamera lächeln. Vom Abgeordneten bis zum Bauarbeiter (gebaut wird immer noch, seufz). Das wird sicher interessant. Auch werde ich versuchen, einen polizeilichen Schichtdienst gastweise mitzumachen. Mal sehen, was sonst noch kommt. Und wofür vor allem Zeit bleibt.


Und als Bonbon obenauf: Gestern habe ich spontan Anja zum Mittag getroffen. Kennengelernt haben wir uns vor Jahren, als wir beide im Paul-Löbe-Haus (einem der Abgeordnetenhäuser rechts neben dem Reichstag) nebeneinander stehend auf einen Fahrstuhl warteten. Kurios ...
Und abends habe ich mit Inga und Lars - als Ersatz für die mittwöchliche Speyerer Länderparty - gemeinsam gekocht. Es ist komisch, dass Inga nicht mehr drei Straßen weiter, sondern ca. 45 Minuten mit der Bahn entfernt wohnt. Naja, es hätten auch hunderte von Kilometern sein können... aber gemeinsam zur Uni mit dem Fahrrad fahren wir nicht mehr. Seufz.
Und wieder kann ich schreiben: Ich fühle mich gut aufgehoben. Hoffentlich bleibt es so.




3. August 2009

Erster Tag

Der Tag begann gut. Nach nur 15minütigem Fußmarsch war ich bereits am Kammergericht. Die Broschüren der Herren von Debeka und MLP, welche am Eingang auflauerten (heute war Einstellungstermin für die neuen Referendare), habe ich freundlich und bestimmt abgelehnt. Den AG-Raum im Keller habe ich sofort gefunden. Übrigens ist das Kammergericht sehr ansehnlich. Beim Eintreten geht man in einen Saal, von welchem Treppen rechts und links abführen und gebogen über den sog. Saal verlaufen. (So ähnlich ist auch das OLG in Köln gebaut ;-)
Die Leute in der AG waren sehr freundlich, und gabe mir gute Tips für Leben und Studium in der Hauptstadt. Sie wußten bereits, wer ich war. Gasthörer fallen wohl auf :-) Geschockt war ich, dass wir morgen bereits eine Klausur schreiben. Aber ich habe Aufschub bekommen. Die anderen habe mir schließlich vier Wochen Unterricht voraus. Puh. Jetzt muß ich nur noch sehen, dass ich den Stoff schnellstmöglich aufhole.
Freundlicherweise hat mich einer meiner Kollegen gleich mit in die Gerichtsbibliothek genommen. Dort durfte ich mich anmelden, obwohl ich keinen offiziellen Berliner Wohnsitz vorweisen konnte. Ich habe mir gleich den Palandt ausgeliehen. Für zwei Monate. Von dieser Bibliothek bin ich begeistert.

Ansonsten lernt man eine Stadt ja am besten kennen, indem man oder frau sie durchläuft. Es gibt hier schöne Cafes und Restaurants. Einkaufsmöglichkeiten direkt um die Ecke. Auch werde ich definitiv nicht verhungern in Schöneberg ;-)
Jetzt bin ich müde. Gähn. Der Tag neigt sich dem Ende zu .... Morgen ist mein zweiter erster Tag, nämlich der erste Tag im Bundestag. Ich bin gespannt: auf die Kollegen, auf die Arbeit und meine Aufgaben.


Andreas hat angerufen und nach meinem ersten Tag gefragt. Ronny hat mir eine wunderbare E-Mail geschrieben (Danke. Klingt super.). Außerdem skype ich gerade mit Inga und Stefan....
im Moment fühle ich mich gut aufgehoben. Nicht allein. Obwohl neu in der Stadt. Danke.
Auch gefällt mir mein Arbeitsplatz: der Schreibtisch steht zwischen zwei Fenstern, die den Blick auf einen Hinterhof mit großen Bäumen freigeben. Die Abendsonne schimmert im grünen Blätterdickicht. Es ist ruhig. Eine idyllische Arbeitsatmosphäre. :-)

2. August 2009

Hallo Berlin

Nach nicht einmal zwei Tagen im heimatlichen Köln bin ich heute nach Berlin weitergezogen. In einem VW Cabrio mit einer rüstigen Fahrerin, die mir von ihren Kriegs- und Nachkriegserlebnissen erzählte. Sehr spannend. Es ließ die ca. fünf Stunden Fahrzeit schnell vergehen (das meine ich ernst und absolut ohne Unterton).
Seltsam ist nur, dass ich aus einem verregnetem heruntergekühlten Köln mit 20 Grad Celsius in ein sommerlich heißes Berlin mit über 30 Grad Celsius gekommen bin. Auch das bißchen Regen im Moment kühlt nicht ab, sodass ich das angekündigte Gewitter kaum erwarten kann. Ob ich das noch denke, wenn es morgen in dem Moment beginnt, wenn ich aus dem Haus muß?

Mein Zimmer zur Untermiete ist schön hell und hat alles, was ich brauche: ein Bett, einen Schrank und einen kleinen Schreibtisch. Es liegt ruhig zu einem Hinterhof hinaus in einem Altbau. Seufz. Meine Vermieterin und Teilzeitmitbewohnerin ist sympathisch. Zahlreiche Cafes und Restaurant umzingeln das Haus in den umliegenden Straßen. Einen Italiener habe ich bereits mit meinem ersten Besuch - meiner Mutter - ausprobiert. Hier der Witz des Abends: Kommen zwei Mädels in ein italienisches Restaurant und fragen "Do you speak italiano?" Lacht die Wirtin mit der rauchigen Stimme und sagt "Ma si. Parlo perfettamente l'italiano. (Aber ja, ich spreche perfekt italienisch.)

So, Schluß für heute. Morgen habe ich meine erste Arbeitsgemeinschaft als Gasthörer am Kammergericht. Da sollte ich einigermaßen ausgeschlafen sein. Der erste Tag ist immer der härteste. Außerdem muß ich es ausnutzen, dass ich noch relativ ruhig bin, obwohl mich zahlreiche Fragen bedrängen: Ob ich Freunde in der AG finden werde? Werde ich in der AG gut lernen können? Wie werden die anderen Referendare sein?

Adieu Speyer

Nun ja, Speyer habe ich verlassen. Die drei Monate an der Verwaltungshochschule sind beendet. Im Ergebnis verging die Zeit wie im Fluge.

- Ich habe viele interessante Menschen (auch Juristen ;-) aus ganz Deutschland kennengelernt.
- Ich habe zahlreiche interessante Veranstaltungen besucht (Umweltpolitik, Mediation, Polizeirecht, Medienrecht ua)
- Ich war viel unterwegs (Volleyball, Chor)
- Ich habe selten in meinem Leben so viel getanzt (mindestens jeden Mittwoch für einige Stunden ;-)

Leider konnte ich am letzten Tag nicht zur Verabschiedung bleiben, da meine Mitfahrgelegenheit so früh wie möglich fahren wollte. Nach der Exmatrikulation und einem letzten Frühstück in der Taberna gingen wir zum Auto. Auf dem Weg wurden zahlreiche Hände geschüttelt, Freunde umarmt und verabschiedet. "Die längste Klassenfahrt der Welt" (Zitat von Friedi) ist beendet. Geplant sind sog. Nachtreffen; im August im Köln und im September in Leipzig oder Dresden. Ich würde mich sehr freuen, einige wiederzusehen. Aber ... nun ja, wenn der Alltag zuschlägt, wird der Kontakt erfahrungsgemäß wohl einschlafen. Also, abwarten.


Letztlich war es auch schön, endlich wieder in Köln zu sein. Beim Anblick der vertrauten Domspitzen freue ich mich jedesmal auf zu Hause. :-)
Ich bin einfach durch die Straßen gelaufen.... einige Geschäfte haben gewechselt. An der Uni war ich irritiert. Studenten liefen herum, aber sie waren alle vollkommen fremd. Ich war es gewohnt, vertraute Gesichter auf dem Campus um mich zu sehen. Da das Semester mit ca. 320 Studenten recht klein war, kannte man sich (zumindest dem Gesicht nach).
Endlich wieder spontane Kinobesuche. Das kam in den letzten Wochen irgendwie zu kurz. "Hangover". Wir haben nur gelacht. Erst über den Einlasser im Kino, der uns fragte, ob wir bereits verheiratet seien. Und über den Film. Jedem Verlobten sei vor der Hochzeit Spaß vergönnt. Auch, wenn er ausartet, wie in diesem Film, als die Freunde nach einer wilden Nacht ohne Erinnerung und ohne Bräutigam aufwachen.

Die letzte Woche




Besonders die letzte Woche verging rasend schnell. Sie war ein würdiger Abschluß:

Am Freitag Vormittag hatte ich noch sog. Länderübung, also Unterricht. Im Anschluß sind wir mit dem Dozenten ein Eis essen gegangen. Ein schöner Abschluß.

Abends war der Abschlussball. (Fast) Alle Mädels erschienen im eleganten Abendkleid. Die Herren im Anzug. Es gab einen Einlaß, an dem der Namen auf der Gästeliste abgehakt wurde. Anschließend gab es ein Photo auf dem roten Teppich. Ich habe mich ehrlich gesagt am roten Teppich vorbeigeschummelt, weil ich keine Lust auf ein Photo mit mir selbst hatte. Als Paar mag das schön sein, aber allein oder mit einem Paar ... neee. Dafür habe ich Friedi beim Verkauf der Getränkekarten geholfen. Gegenüber wurde der Begrüßungssekt ausgeschenkt, von dem wir auch was bekamen. Das war sehr gut, denn ich war bereits aufgeregt. Warum? Einfach weiterlesen. Es gab ein Buffett. Und gegen 22 h sang der Chor vier Lieder. Ich war so aufgeregt, dass ich mehrmals falsch sang, auf mein Blatt starrte und ... nun, es ist wohl keinem aufgefallen. Denn alle fanden, dass es super geklungen und wir gut ausgesehen hätten. Habe ich mir das eingebildet? Schön. Hauptsache, ich habe es überstanden. So unglaublich das klingt, ich hätte in diesem Moment lieber ein Plädoyer vor dem Strafrichter gehalten...
Den restlichen Abend wurde viel getanzt; erst klassisch zu zweit zur Band, dann gerockt zur Uni-Band und ab Mitternacht Freestyle zum DJ. Die zwei Tanzstunden haben sich rentiert. Was hätte ich herausholen können, wenn ich kontinuierlich im Semester einmal pro Woche zum Tanzunterricht gegangen wäre.
Und meine These zu den Abendschuhen bestätigte sich: Mit Absatzschuhen sollte frau stets i n Bewegung bleiben. Sobald frau stehen bleibt oder sitzt, machen sie sich die Füße (oder Blasen) bemerkbar. Ich habe Achtung vor jeder Frau, die täglich solche Schuhe benutzt.
Gegen 3 h haben Inga mit ihrem Freund Lars und ich ein Taxi genommen. Der Ball soll aber noch locker bis 5:30h gegangen sein mit anschließendem Besuch der Bierbar. Das erklärt, warum ich am nächsten Tag nur blasse ferngesteuerte Zombies auf dem Campus getroffen habe (wenige, der Rest war wohl noch in den Betten). ;-)

..... to be continued

Am Samstag habe ich eigentlich viel geschafft: Wochenmarkt, Bibliothek ... und abends grillen. Ach, und nachmittags haben wir mit Inga und ihren Vermieterin eine Fahrradtour unternommen zu einem Eisladen nach Germersheim. Die meisten haben diesen Tag wohl verschlafen, nachdem sie auf dem Ball bis in den Morgen getanzt und gefeiert haben.
Am Sonntag habe ich gelernt und mich für einen Zwiebelkuchen mit Inga und Lars und später auf ein Eis in der Stadt mit den zurückgelassenen (die Partner waren bereits auf dem Heimweg) getroffen.
Ein arbeitsreiches Wochenende, sodass ich mir den Montag freigenommen habe und mit Inga und Ronny an den See gefahren bin. Das tat richtig gut.

..... to be continued

Dienstag: zwei Seminare. Und dazwischen Inga geholfen, ihr Handout zu erstellen. Ein arbeitsreicher letzter Tag an der Uni. Direkt im Anschluss gegen 19 Uhr dann Volleyballturnier. Unsere Mannschaft hatte ein enorm hohes Verletzungspotential: Friedis Oberlippe schwoll an (wir sind gegeneinander gelaufen), Stefans Ohr konnte dank meinem Kühlgel von einem Anschwellen bewahrt werden (auch wir sind ineinander gelaufen; meine rechte Schulter muckte kurz auf ;-), Jens ist auf Marielles Fuß gefallen, der enorm anschwoll und schnell blau wurde, ich habe in der Pause mit einer Flasche Wein von einem der Zuschauer meinen Kopf gekühlt, der von einem Hechtsprung etwas angeschlagen war (lustiger Anblick, aber so habe ich kein Horn bekommen ;-) .... zu unserer Spieleffizienz muss ich wohl nichts mehr schreiben. Aber es war lustig. Würde gern jederzeit wieder zum Beachvolleyball antreten (obwohl ich nicht weiß, wer mit mir antreten möchte, nachdem er/sie das hier gelesen hat...
Danach Stefans Kühlschrank geplündert und mit den Jungs (also noch Chris und Jens) Karten gespielt. Haushoch gewonnen. Leider weiß ich den Namen des Spieles nicht mehr. Und an die Regeln kann ich mich auch nicht mehr erinnern. Tja. Einfach Glück gehabt. Dafür sehr spät ins Bett gekommen.

Mittwoch: Fahrradausflug mit Stefan von Speyer nach Neustadt an und teilweise über die Weinstraße. Dank der Sonnencreme und waldlastigen Fahrt keinen Sonnenbrand bekommen. Puh. Und unterwegs (Bio-)Beeren direkt vom Strauch in den Mund geflückt. Erfrischend und lecker. Mmmhhhh. Glaube ich Stefan, sind wir tatsächlich ca. 70 km gefahren. Das erscheint mir sehr viel, aber ich vertraue ihm mal. So wir Deiner Kartenlesenkunst, Stefan ?! Nein, war ein Spaß.
Hatte nach der Rückkehr gerade noch Zeit für eine Dusche und danach sind wir zum Tanzkurs gegangen. Der Ball war zwar vorbei, aber die Tanzwütigen blieben. Den sog. Knotentanz und Discofox haben wir perfektioniert. Spontan noch Rumba gelernt. Was hätten wir rausholen können, wenn wir den Tanzkurs von der ersten Stunde an belegt hätten, statt nur zwei Stunden. Aber da kannten wir uns ja noch nicht... und jetzt ist die Tanzgelegenheit aufgrund räumlicher Distanz und Arbeitsmenge vorbei. Seufz.
Danach bin ich zu den Brandenburger Mädels gedüst. Das letzte Mal trafen wir uns und gingen zum letzten Mal zu einer Länderparty. Seufz. Das Motto der letzten Party war "Himmel und Hölle", angelehnt an das Motto des Semester-t-shirts: "DHV & Bierbar - Gottes Werk & Teufels Beitrag". Also konnte man sich verkleiden als Engel (komisch, habe gar keinen gesehen...) oder Teufel. Oder man trug einfach schwarz und/oder weiß. Oder die Kleidung, die noch sauber war ;-). Habe keine Ahnung, wie lange die Party lief. Ich war also wahrscheinlich ein Engelchen .... ?

Donnerstag: Gepackt. Wohnung geputzt. Ruhe genossen. Abends mit Lars und Inga zur Uni zum letzten ultimativen Grillen gefahren. Die Stimmung war leider schon etwas gedrückt. Anschließend bin ich mir Katesa und Daniel zum Binsee gefahren, um Fackeln aufzustellen, Decken auszulegen etc. Die anderen Referenten kamen später nach und wir genossen den Abend am See. Ein klarer Sternenhimmel. Ruhe. Mondschein. Punkt Mitternacht wurde Chris' Geburtstag gefeiert. Eine prima Idee war, dass wir ihm alle einen Gutschein für eine Unternehmung mit uns schenkten. Um seine Gutscheine einzulösen, wird er wohl auf Deutschlandtour gehen müssen, da wir ja alle verstreut wohnen. Aber so bleibt man auch in Kontakt. :-))
Anschließend sind manche noch zur Bierbar gefahren. Es war Flatrate-Party, denn die Vorräte der (nichtexistenten) Bar mußten vernichtet werden. Da ich mich als Fahrer angeboten hatte, war ich auf dieser Party wohl die einzige nüchternde Person. Statt Cola drückte man mir ein Becks Lemmon in die Hand. Eine bessere Metapher zur Stimmung vor Ort gibt es nicht.
Auch hier kann ich nichts über das Ende der Party schreiben, obwohl wir locker bis ca. 3 Uhr geblieben sind. Schließlich war das für mich die letzte Gelegenheit, einige Speyer-Freunde und -Kollegen zu sehen und zu verabschieden, da ich am nächsten Tag bereits gegen 8 Uhr zur Exmatrikulation und Heimfahrt verabredet war. Die meisten wird man nicht wiedersehen. Aber es gibt schließlich auch gute Freundschaften/Bekanntschaften auf Zeit. Was meint Ihr?